Tabuthema: Abtreibung

Selbstbestimmung oder Mord?

In den vergangenen Tagen habe ich mir überlegt, welches Thema ich als nächstes behandeln soll: das Verhältnis des Westens zu Russland, das geplante Kopftuchverbot für Kinder oder das Tabuthema des Schwangerschaftsabbruchs. Ich habe mich für Letzteres entschieden, da ich sowohl in meinem Freundeskreis, als auch allgemein in der Gesellschaft merke, dass dieses Thema wieder heiß diskutiert wird. Vielleicht hat dies damit zu tun, dass wir nun eine konservative Bundesregierung haben, die sich auch mit diesem Thema auseinandersetzen will. Wie immer halte ich auch in diesem Beitrag fest, dass ich meine persönliche Meinung und nicht unbedingt die einer Partei oder Religionsgemeinschaft wiedergebe.

Jeder Mensch hat angeborene, schon durch die Vernunft einleuchtende Rechte, und ist daher als eine Person zu betrachten. (§ 16 ABGB)

Dieser Paragraph blieb mir von der Einführungsvorlesung in die Rechtswissenschaften sehr gut in Erinnerung. Es ist mir erst dann klar geworden, dass der Gesetzgeber den Menschen von Anbeginn seines Lebens vollkommen zu schützen hat, denn schließlich ist es dem Neugeborenen schlechthin unmöglich, sich selbst zu verteidigen. Doch tun wir genug für diesen Schutz der Schwächsten? Und wieso bricht eine Frau ihre Schwangerschaft ab?
Oft ist die Frau zu jung, macht noch eine Ausbildung/Karriere oder ist einfach mit dem falschen Partner zusammen – also das Timing ist falsch. Andere Familien haben bereits Kinder und betrachten die Schwangerschaft als finanzielle Belastung bzw. passt das zusätzliche Familienmitglied nicht in die Planung. Andere wiederum würden ein behindertes Kind erwarten, das eine lebenslange Fürsorge in Anspruch nehmen würde und können bzw. wollen dies nicht auf sich nehmen. In all diesen Fällen entsteht ein ungewolltes Leben, das erloschen werden soll. Bevor ich mich inhaltlich mit der Abtreibung auseinandersetze, will ich den medizinischen Vorgang für Laien kurz erläutern, denn es lässt sich ehrlicher darüber reden, wenn wir die Ebene des Abstrakten verlassen und den Tatsachen entgegen blicken.
Man unterscheidet folgende Methoden zur Abtreibung:
– Chirurgischer Abbruch
– Medikamentöser Abbruch
– Curettage
Der chirurgische Abbruch ist ab der 5. bis zur 14. Schwangerschaftswoche möglich und geht in der Regel ganz rasch. Dabei wird die Gebärmutter mit einem dünnen Plastikrohr abgesaugt und entleert. Zum medikamentösen Abbruch wird die sogenannte Abtreibungspille angewandt. Diese enthält das künstliche Hormon Mifepriston, welches eine Fehlgeburt einleitet: die Gebärmutter zieht sich zusammen und das Kind geht mit der Blutung ab. Bei der Curettage wird die Gebärmutter unter Vollnarkose mit einem löffelförmigen Instrument ausgeschabt. Manchmal ist bei einem Spätabbruch die Schwangerschaft derart fortgeschritten, dass die Gebärmutter nicht bloß abgesaugt werden kann. In diesem Fall besteht die Möglichkeit dem Fötus eine herzlähmende Injektion zu verabreichen, sodass es zum Zeitpunkt der Geburt tot ist.
Nun haben wir mehr oder weniger eine bildliche Vorstellung, wie eine Abtreibung abläuft und wir können uns fragen, wer oder was hier das Subjekt der Abtreibung ist. Von vielen Befürwortern der Abtreibung ist zu hören, man hat es hier nur mit einem Zellhaufen zu tun, der ja gar kein Leben darstellt, weswegen die Abtreibung bloß ein einfacher klinischer Eingriff ist. Aber bin nicht auch ich selbst eine Ansammlung von vielen verschiedenen Zellen? Ohne Zweifel können wir sagen, dass aus einer befruchteten Eizelle nur ein Mensch hervorgehen kann, denn das Gegenteil dessen müsste erst bewiesen werden. Die Zygote ist der Kern des Lebens – aus ihr, und zwar einzig allein, sind wir alle entstanden. Vielleicht haben wir zum Ungeborenen keinen emotionalen Bezug, weil wir keine süßen Äuglein oder kleine Händchen sehen, die unser Mitleid wecken, aber Fakt ist, dass ein Ungeborenes schon ab der dritten Schwangerschaftswoche einen Herzschlag hat und ab der zwanzigsten Woche Schmerzen empfindet. Diese Ungeborenen essen, trinken und leben im Mutterleib. Sie sind einzigartige Individuen, die Stress und Schmerzen der Mutter wahrnehmen können, aber auch selbst auf Bewegung und Druck reagieren.
Ich sehe keinen wissenschaftlichen Grund, der in der Lage ist dem Menschen in diesem Stadium der Entwicklung seine Fähigkeit zu leben abzusprechen!

Moralisch gesehen könnte man noch hinzufügen, dass Kinder das höchste Gut unserer Gesellschaft sind und daher viel mehr Achtung und Respekt verdienen und zwar egal, ob sie schon den Mutterleib verlassen haben oder nicht. Wie grausam ist es dann, diesem kostbaren Geschenk (der Natur, Gottes, der Wissenschaft – für jeden etwas dabei) eine Injektion ins Herz zu spritzen, um es zu töten? Ich will an diesem Punkt nicht länger auf die Emotionen anspielen, jedoch ist die Angelegenheit eine sehr emotionale, denn jeder, der diesen Text gerade liest, wird wahrscheinlich froh sein, nich abgetrieben worden zu sein, sondern zu LEBEN.
Wie kann man den häufigen Abtreibungen entgegenwirken? Meines Erachtens brauchen wir in erster Linie einen erleichterten Zugang zu Verhütungsmitteln, die zudem leistbar sein sollen. Hand in Hand mit der Verhütung geht die Aufklärung und Beratung, insbesondere für junge Menschen. Kein junges Mädchen soll glauben, dass sie wegen ihrer ungeplanten Schwangerschaft aus der Gesellschaft ausgestoßen wird oder alleine auf sich gestellt ist. Hier sind vor allem der Staat, die Kirchen und etliche gemeinnützige Organisationen gefragt und gefordert verstärkt zu handeln. Weiters muss Familien vermittelt werden, dass ein behindertes Kind nicht als Last zu sehen ist, und dass keine Familie alleine auf sich gestellt ist, um mit dieser Herausforderung fertig zu werden. Viele Frauen, die bereits abgetrieben haben berichten, dass sie sich mit einer professionellen Beratung eventuell anders entschieden hätten und jetzt von starken Schuldgefühlen gequält werden – die Erfahrungsberichte sind in vielen Dokumentationen nachzuschauen.

Ich will mit diesem Beitrag niemanden verurteilen oder schlecht reden, denn ich glaube, dass eine Frau, die abgetrieben hat kein schlechter Mensch ist, sondern in einer enormen Stresssituation nicht gut genug beraten wurde. Dies ist nicht immer ein Fehler ihrerseits, sondern oft unsere Nachlässigkeit als Gesellschaft einander beizustehen und mit allen Mitteln zu unterstützen. Ich will, dass die vielen Stimmen, die Abtreibung als Frauenrecht sehen, auch an das ungeborene Kind denken, welches abgeschabt, abgesaugt oder herztot gemacht wird und sich in dessen Lage versetzen – alles andere erübrigt sich von selbst.